Bericht über die menschliche Entwicklung 2020 – Bhutan

Vor 30 Jahren wurde der Human Development Index (HDI) und der diesbezügliche jährliche Bericht zur globalen menschlichen Entwicklung erstmals vorgestellt. Dies bietet eine ideale Gelegenheit, um auf die Verbesserungen der menschlichen Entwicklung in Bhutan in den letzten Jahren zurückzublicken:

Bhutan HDI Trends 2005-2019

Eine Erfolgsgeschichte: Bhutans Fortschritt in der menschlichen Entwicklung

Der Human Development Index ist ein statistisch zusammengesetzter Index der Indikatoren für Lebenserwartung, Bildung und Pro-Kopf-Einkommen, anhand dessen die teilnehmenden Länder in vier Stufen der menschlichen Entwicklung eingeteilt werden können. Im Bericht für das Jahr 2020 zählt Bhutan mit einem Wert von 0,654 für 2019 zu den Ländern in der Kategorie der mittleren menschlichen Entwicklung und nimmt die Position 129 von 189 Ländern ein . Es ist erwähnenswert, dass der HDI-Wert von Bhutan von 2005 bis 2019 insgesamt um 25,8 Prozent gestiegen ist.

Laut den Daten des Human Development Report 2020 stieg zwischen 1990 und 2019 die Lebenserwartung Bhutans bei der Geburt um 18,9 Jahre, die durchschnittlich absolvierten Schuljahre um 1,8 Jahre und die zu erwartenden Schuljahre um 7,5 Jahre. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das Bruttonationaleinkommen pro Person um rund 328 Prozent (Quelle: Human Development Report 2020).

Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung Bhutans

Im Jahr 2010 führte der Human Development Report den ungleichheitsbereinigten HDI (IHDI) ein, der Verluste in der menschlichen Entwicklung aufgrund der Ungleichheit in der Bevölkerung in Bezug auf Gesundheit, Bildung und Einkommen miteinbezieht. Der „Verlust“ der menschlichen Entwicklung aufgrund von Ungleichheit ergibt sich aus der Differenz zwischen HDI und IHDI und kann als Prozentsatz ausgedrückt werden. Im Jahr 2019 beträgt der IHDI in Bhutan 0,476 (ein Entwicklungsverlust von 27,2 Prozent gegenüber dem HDI im selben Jahr).

Mehrdimensionaler Armutsindex 2010

Ein weiterer Index des HD-Berichts, der MPI (Multidimensional Poverty Index), identifiziert mehrere überlappende Benachteiligungen von Personen in drei Dimensionen: Gesundheit, Bildung und Lebensstandards. Die letzten Umfragedaten, die für die MPI-Schätzung in Bhutan öffentlich verfügbar sind, beziehen sich allerdings auf das Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt waren 37,3 Prozent der Bevölkerung in Bhutan (282.000 Menschen) mehrdimensional arm, während weitere 17,7 Prozent als anfällig für mehrdimensionale Armut eingestuft wurden (133.000 Menschen).

Große Fortschritte in der Armutsbekämpfung in der letzten Dekade

Um diese Ergebnisse besser interpretieren zu können, lohnt es sich, den Bericht über die Armutsanalyse in Bhutan von 2017 heranzuziehen, der diesbezüglich aktuellere Informationen enthält.  Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Armut in Bhutan, gemessen an der nationalen Armutsgrenze von 2.196  Ngultrum (= rund 24 Euro) pro Person und Monat, zwischen dem Jahr 2012, in dem nur mehr 12 Prozent der Bevölkerung als arm geschätzt wurden, und dem Jahr 2017 um etwa ein Drittel auf 8,2% zurückgegangen ist. Es erscheint daher legitim anzunehmen, dass es erhebliche Verbesserungen in Bezug auf die generelle Armut in Bhutan gibt, obwohl mehrdimensionale Armutsfaktoren (wie schlechte Gesundheit, mangelnde Bildung, unzureichende Lebensstandards, schlechte Arbeitsqualität, Androhung von Gewalt usw.) die menschliche Entwicklung in Bhutan immer noch behindern. Insbesondere die Verringerung der Kluft zwischen ländlichen Gebieten und Städten scheint für die kommenden Jahre eine wichtige Herausforderung zu sein. Laut Bericht ist die Armut in ländlichen Gebieten (11,9% der Bevölkerung) signifikant höher ist als in städtischen Gebieten (0,8% der Bevölkerung). Darüber hinaus werden in der Armutsanalyse Probleme im Zusammenhang mit der Alphabetisierungsrate in Bhutan (die arme Bevölkerungsschicht hat eine Alphabetisierungsrate von 57% im Vergleich zu jener der nicht armen mit 66,8%) und dem Zugang zu Bildung und medizinischen Einrichtungen hervorgehoben.

Gleichstellung der Geschlechter

Ein weiterer nennenswerter Aspekt des Berichts zur menschlichen Entwicklung betrifft die Gleichstellung der Geschlechter. Im Bericht zur menschlichen Entwicklung 2014 wurde eine neue Maßnahme, der GDI, eingeführt, welcher im Wesentlichen die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Errungenschaften der menschlichen Entwicklung misst. Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden somit bei der statistischen Erfassung berücksichtigt. Der weibliche HDI-Wert für 2019 beträgt in Bhutan 0,626 (im Gegensatz zu 0,679 für Männer). Dies führt zu einem GDI-Wert von 0,921, womit Bhutan auf Platz 129 von 189 untersuchten Ländern liegt. Zusätzlich zum GDI spiegelt der GII (Gender Inequality Index) geschlechtsspezifische Ungleichheiten in drei Dimensionen wider: reproduktive Gesundheit, Empowerment (Ermächtigung) und wirtschaftliche Aktivität. Im HDI-Bericht 2020 hat Bhutan einen GII-Wert von 0,421, wodurch das Land auf Platz 99 von insgesamt 162 Ländern fällt, die Daten bereitgestellt haben.

Der Bericht über die menschliche Entwicklung 2020 erwähnt mehrere Schlüsselaspekte im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Geschlechter in Bhutan:

  • 15,3 Prozent der Parlamentssitze werden von Frauen besetzt
  • 23,3 Prozent der erwachsenen Frauen haben mindestens einen Sekundarschulabschluss erreicht (verglichen mit 31,4 Prozent der Männer)
  • Bei 100.000 Lebendgeburten sterben durchschnittlich 183,0 Frauen an schwangerschaftsbedingten Ursachen und die Geburtenrate bei Jugendlichen beträgt 20,2 Geburten pro 1.000 Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren
  • Die Beteiligung am Arbeitsmarkt von Frauen beträgt 58,9 Prozent gegenüber 73,4 Prozent bei Männern

Angesichts dieser Informationen sowie des GDI und des GII Bhutans kann festgehalten werden, dass trotz wichtiger Schritte zur Gleichstellung der Geschlechter weitere Maßnahmen erforderlich sind, um eine gleichmäßigere Verteilung der menschlichen Entwicklung auf beide Geschlechter zu erreichen.

Den vollständigen HDI-Bericht 2020 finden Sie unter:

| Human Development Reports (undp.org)